Jan 252010

Wenn keiner mehr zur Arbeit geht
Jan 242010

Erinnerungen als Polizeireporter bei einer Berliner Boulevardzeitung

Zum Thema „Das Unvermögen von Katastrophenbildern“ ein persönlicher Erfahrungsbericht aus sechs Jahren freier Mitarbeit als Text- und Bildreporter für die Berliner Boulevardzeitung B.Z.. Ich war damals, 1992, nach dem aus Hamburg verordneten Tod der Frauenillustrierten Für Dich, bei der ich noch dreieinhalb produktive Jahre als Bildreporter erleben durfte, arbeitslos, suchte einen Job und fragte auch bei „Berlins größter Zeitung“ B.Z an. Die Lokalredaktion war interessiert an einem Reporter, der sich im Land Brandenburg auskannte. Eine Anfrage bei Bild war gescheitert, weil ich weder perfekt Russisch sprach noch einen Scanner besaß, mit dem Tag und Nacht der Polizeifunk nach schlagzeilenträchtigen Unfällen, Morden usw. abgehört werden konnte. Und doch ergaben sich in diesen sechs Jahren immer wieder persönliche Kontakte mit den Kollegen der Konkurrenz (einbezogen hier auch der Berliner Kurier als drittes Hauptstadt-Boulevardblatt) – beim Wettrennen zum Tat/Unglücksort. Wer zuerst dort ankam, hatte auch als erster die Chance, ein Foto des Opfers zu ergattern. Meist von Angehörigen, die oft noch unter Schock standen. War Bild schneller, gab es eine kleine Chance auf Milde – „Bild hinterlässt verbrannte Erde“, hieß es. Diese Reporter waren meist recht jung, kämpften auf dem Berliner Pressemarkt mit großem Ehrgeiz um einen Platz an der Krippe.

Jan 192010

… das wäre ein schöner Titel für eine semi-philosophische Abhandlung über Fotografie. Semi-philosophisch deshalb, weil im ernsthaften Wissenschaftsbetrieb, im Geisteswissenschaftsbetrieb Subjektivität verpönt ist, insonderheit bei den Deutschen. Niemand hat das besser als Nietzsche formuliert: Der deutsche Gelehrte liest und liest und liest, und wenn er nicht liest, denkt er nicht. Er ist durchs viele Lesen so trocken geworden, dass er verpufft, wenn man nur ein kleines Streichholz in seiner unmittelbaren Umgebung entzündet. Nietzsche zieht daraus für sich das Fazit: “In der Morgenröte meiner Kraft ein Buch zu lesen, das nenne ich lasterhaft.”

Jan 152010

“Bürger: Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
wenn hinten, weit, in der Türkei,
die Völker aufeinanderschlagen.” (Goethe, Faust)

Katastrophenbilder aus fernen Ländern werden sehr oft lanciert, um von eigenen Problemen im Land abzulenken bzw. eigene Interessen an einem von der Katastrophe heimgesuchten Land zu verdecken.

Die fotografische und thematische Vermarktung von Katastrophen ist zudem äußerst lukrativ für Medienkonzerne. Katastrophenbilder spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Presseauflagen steigen, das Fernsehen wird häufiger eingeschaltet, dubiose Spendenorganisationen freuen sich über neue Geldzuflüsse, Auslandstelefonate schnellen in die Höhe, Politiker können ihr Wohltäter-Image aufpolieren… Man hat wieder ein ‘unverfängliches’ Thema, das nichts mit dem eigenen Land zu tun hat und bei vielen Menschen natürlich einen Mitleidsreflex auslöst.

Jan 022010
long-goodbye-08

Meine Frau benötigt den Abstellraum, in dem ich bis vor kurzem noch genau 1,8 m2 für das Filmentwickeln Platz hatte, für diverse Wäscheständer. Die Duschkabine, in der ich meine Filme trockne, ist ein vom 3-jährigen Sohnemann gefährdeter Bereich. Wenn Filme trocknen, muss daher die Reinlichkeit der Familie hintenanstehen. Aus Zeitmangel wird die Filmentwicklung zu purer Nachtarbeit.

Versteht sich von selbst, dass bei solchem Zeit- und Platzmangel nur das Hybridverfahren in Frage kommt (also analog fotografiert und digital per Scanner und Photoshop weiterbearbeitet).  Analog hochwertig gescannte S/W-Filme und Farbdias verschlingen terabyteweise Festplattenplatz. Ein 500 MB großes MF-Farbdia ist selbst mit einer Workstation nicht gerade flink zu bearbeiten.

Dez 202009

“I’m known for taking pictures very close, and the older I get, the closer I get.” Bruce Gilden

In letzter Zeit entstehen Unmengen ziemlich langweiliger ‘Streetfotos’, die ich mir wie folgt erkläre: Ein gutsituierter Angestellter flaniert in seiner Freizeit durch die Straßen und versucht sich als HBC. Er entdeckt Laternen, die malerisch über einsamen Menschen schweben – KLICK; Straßen die einen schönen Bogen machen – KLICK; Menschen, die gar lustige Schatten werfen – KLICK; Jugendliche, die sich mit ihren Skateboards in der Luft drehen – im Gegenlicht natürlich – KLICK; Straßenschilder, die witzig Verwirrung stiften – KLICK; grüne Büsche vor roten Sportwagen – KLICK;  etc. etc.

Dez 202009

Ein großer Reiz des Panoramas ist es, dass man sein Motiv niemals zur Gänze sieht, bevor man es nicht fertiggestellt hat, das heißt, bis nicht alle Einzelbilder am Computer zu einem Ganzen zusammengesetzt sind. Bis es soweit ist, ist immer die Spannung da: Wird alles so, wie man es sich vorstellt? Dieser Reiz ist gleichzeitig auch die Schwierigkeit, denn es kann leicht passieren, dass das Ergebnis überhaupt nicht den Erwartungen entspricht, die man in dieses Motiv gesetzt hat.

Das betrifft – schon rein formal – den Ausschnitt, der sich im günstigsten Fall und mit einiger Erfahrung vor Ort erahnen, aber unmöglich genau festlegen lässt.

Dez 162009

>>The 8th African Biennial of Photography ended its month-long run in Bamako on 7 December. The Biennial, which is also called the Recontres de Bamako or Bamako Encounters, is a meeting point for African photographers, photographers working on the continent and the professionals – editors, publishers, curators – they collaborate with.<< (Martin Vogl)

Quelle, mehr Text und Fotos dazu:

http://universes-in-universe.org/eng/nafas/articles/2009/bamako_encounters_2009

Dez 142009

Fotografische Anfänger  (ich zähle mich selbstredend dazu) stellen sich manchmal die Frage, welche Kamera wohl ein bewunderter Fotograf für seine Bilder verwendet(e). Und gleichzeitig kommt der etwas peinliche Wunsch, diese Kamera auch zu kaufen.

Lebt die vollkommen überteuerte ‘Sammler-Kameramarke’ Leica nicht indirekt bis heute vom Image legendärer Fotografen, die mit einer Leica ihre berühmten Bilder mach(t)en? Obwohl sich kein ernsthafter Fotograf (außer Ken Rockwell (;-) ) heute noch eine neue, 10.000 EUR teure, z.T. in weißes Leder , oder gar in Schlangen- bzw.  Krokoleder gepackte Leica (ob digital oder analog) kaufen wird…

Dez 122009

(C) Lu Guang: Pollution in China
(C) Lu Guang: Pollution in China

 

Angesichts der globalen Naturzerstörung frage ich mich, welche Berechtigung die Fotos einer “heilen” Naturwelt haben. Ansel Adams ist einer der wichtigsten Vertreter der menschenleeren Natur mit perfekten Graustufen. Wie sieht die Wirklichkeit US-amerikanischer Naturparks aus? Wohin bringt uns die ästhetische Weltflucht?

Es gibt die “perfekte Natur-Welt” von Ansel Adams nicht wirklich, trotzdem sind wir von den Fotos fasziniert.

Dez 112009

Pierre ist Werbefachmann und dafür erstaunlich kritisch. Er schreibt:

“Nachdenken über den Massengeschmack

Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Da fährt er für viel Geld an die entlegensten Plätze der Welt, um mal richtig unberührte Natur zu sehen und zu genießen. Und wenn er das Gesehene dann zu Hause präsentiert, bastelt er so lang an seinen Bildern herum, bis sie richtig schön nach Plastik aussehen und mit dem Ursprünglichen nichts mehr gemein haben….
Die Frage ist, warum er das macht. Ich habe ne Weile darüber nachgedacht und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass wir inzwischen fast alle mit Geschmacksverstärkern aufwachsen.
Mit Maggi, Ketchup oder Glutamat zum Beispiel wird jedes noch so mittelmäßige Essen versetzt, damit es „nach was schmeckt“.

Dez 102009
Bild von Frank Melech aus der Serie: Tierisches

© Bild von Frank Melech aus der Serie: 'Tierisches'

Moderne Digitalkameras könnten die perfekten Dokumentationsinstrumente unserer Realität und unseres Alltagslebens werden.

Dez 092009

Für mich ist und bleibt W. Eugene Smith einer der bedeutendsten Fotografen. Mit dieser Einschätzung stehe ich übrigens keineswegs alleine da. Beim Suchen seiner Bilder im Internet fiel mir auf, dass es keine repräsentative Website gibt, die sein Werk umfänglich und systematisch darstellt. Ein solches öffentliches Archiv seiner Bilder wäre auch für heranwachsende Fotografengenerationen unabdingbar. Smith soll z.B. bei seiner Pittsburgh-Serie 21.000 Fotos gemacht haben:  Wir finden nicht einmal einen Bruchteil dieser Bilder im Web – schon gar nicht vernünftig aufbereitet. Selbst der ‘Bilderausschuss’ eines Meisters wie Smith ist noch tausendmal mehr wert als der Bildermüll, mit dem wir heute in Communities wie Flickr oder der Fotocommunity überschüttet werden.

Dez 082009

Wenn man demnächst – was inzwischen unausweichlich geworden ist – wieder ein ‘hammerbilliges‘ Produkt kauft, auf dem ‘Made in China’ steht, dann sollte man sich im Gegenzug auch die Umweltreportagen des chinesischen Fotografen Lu Guang anschauen: Was so billig produziert wird, kann nur zu Lasten von Mensch und Natur gehen. Lu Guangs Reportagen weisen erstaunliche Parallelen zu christlichen Phantasien der Hölle auf …

Und siehe da, die niedlichen Geschenke, die wir für unsere Kinder im 1,- EUR-Shop freudestrahlend kaufen, ‘entpuppen’ sich zudem noch als vergiftet. Nicht nur die Produzenten in China sind die Leidtragenden, sondern unsere Kinder spielen sich auch noch krank… (s. die gigantischen Rückrufaktionen großer Spielzeughersteller)

Dez 062009

Es wird wohl an die zwanzig Jahre her sein, als ich das erste Mal den Wunsch verspürt hatte, das was ich sehe, als Panorama darzustellen. Damals stand ich am Rande des Dachsteingletschers und war fasziniert von der Bergwelt ringsum, von der völlig vegetationsfreien Landschaft unterhalb der Gletscherzunge und von den bizarren Eisgebilden, in welchen der Gletscher auslief.

Ich hatte zwar eine – analoge – Kamera dabei, aber weder ein Stativ noch die geringste Erfahrung mit Panoramen. Auf Basis von Diapositiven und ohne digitalen Workflow wäre unter diesen Voraussetzungen auch ohnehin kaum etwas Brauchbares entstanden.

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Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2010 @ 20:01