Fotogemeinschaft.de: Social - Die unfeinen Unterschiede

Fotogemeinschaft.de: Social - Die unfeinen Unterschiede : steht für eine Idee, die ich bereits seit Jahren mit mir herumtrage, aber mangels fotografischer Kooperationspartner und Zeit nicht einmal im Ansatz realisieren konnte. Ich meine hier die Idee einer neuen Form der 'investigativen Sozialfotografie' und würde sie am liebsten als ein längerfristig angelegtes Internet-Projekt der Fotogemeinschaft.de mit mehreren Fotografen realisieren.
 
"Investigative Sozialfotografie" auf künstlerischem Niveau: Mit Bildern Wirklichkeit und unhaltbare Verhältnisse aufdecken ist das Ziel dieser neuen Form von Bildpräsentation.
 
Unter 'Investigativem Journalismus' finden wir in der Wikipedia folgende Erläuterungen:
 
"Investigativer Journalismus (von lat.: „investigare“; zu dt.: „aufspüren, genauestens untersuchen“) bezeichnet eine Form des Journalismus. Der Veröffentlichung von journalistischen Beiträgen geht dabei eine langwierige, genaue und umfassende Recherche voraus. Themen sind meistens als skandalös empfundene Verhältnisse aus Politik oder Wirtschaft. Im Englischen heißt er „investigative journalism“ oder „investigative reporting“, in den USA auch „Muckraking“.
 
Viele dieser Reporter erfüllen als sogenannte Vierte Gewalt im Staat eine wichtige Funktion bei der Kontrolle der Staatsorgane und Wirtschaftskonzerne in Demokratien (siehe auch Checks and Balances). Eine Spielart des investigativen Journalismus wird im Deutschen als Enthüllungsjournalismus bezeichnet. Darunter versteht man das Aufdecken privater Skandalgeschichten von Prominenten. Diese Form ist weniger dem klassischen investigativen Journalismus, sondern eher dem Bereich des Boulevardjournalismus zuzuordnen, weshalb der Begriff negativ konnotiert ist.
 
(...) Gegenstand dieser aufwändigen und hohe Ansprüche an das Können und Durchhaltevermögen stellenden Form der Berichterstattung sind meist skandalöse Vorfälle oder demokratiegefährdendes Fehlverhalten leitender Personen aus Politik und Wirtschaft." (http://de.wikipedia.org/wiki/Investigativer_Journalismus)
 
Das moderne Web produziert aufgrund der inzwischen universalen Verbreitung von Digitalkameras eine irrsinnige - unter Erkenntnisgesichtspunkten weitgehend unorganisierte -  Bilderflut. Die Bilder sind - wenn überhaupt - selten anders strukturiert als nach Sachthemen wie z.B. Natur, Landschaften, Blumen, Städte, Oldtimer etc. bzw. nach technischen Aspekten wie Kameramodell, Objektiv, verwendete Bildbearbeitungstechniken. Dann wären da noch die Fotowettbewerbe, die Diskussionen über Einzelbilder u.ä.
 
Was mir fehlt, ist provokative Fotografie, die aufdeckt, satirisch überhöht und Würgereflexe bei 'demokratiegefährdenden leitenden Personen aus Politik und Wirtschaft' auslöst.
 
Fotografie, die projektorientiert arbeitet und im Rahmen von Bilderserien (mit Texten) bewußt Zusammenhänge aufdeckt. Fotografen, die zusammenarbeiten und Ihre Fotos zu zeitkritischen Montagen anordnen, um die Brüche in der Gesellschaft aufzuzeigen. Ein Team aus neuen, mehr FOTOgrafisch als grafisch orientierten 'Staecks', die aber hauptsächlich mit Bild-Serien arbeiten.
 
Die Rubrik 'social' aus der Fotogemeinschaft.de könnte die Basis unserer Bilderanordnungen werden. Hier könnten Fotografen präsentiert werden, die sich der projektorientierten Fotografie verschrieben haben: Fotoprojekte, Reportagen, Fotoserien mit einem deutlich erkennbaren konkreten roten Faden etc. bestimmen die Auswahl. 'Street' reicht hier nicht als roter Faden (zu allgemein) wohl aber 'Streetfotografie auf der Kölner Domplatte'.
 
Grundprinzip unserer fotografischen Präsentation wäre: Es kommt bei Wirkung und Interpretation von Fotos besonders auf ihre Anordnung, Einordnung in größere Zusammenhänge, Gegenüberstellung und Betextung an. Jedes Foto lässt sich in fast jedem beliebigen Kontext instrumentalisieren (‚James Nachtwey-Abzug‘ als ‚Wertanlage‘); daher kommt es auf die Verdeutlichung dieses Kontextes an; auf provokative oder erklärende Betextung. Auch sind hier deutliche - ruhig auch subjektive - fotografische Stellungnahmen gefragt. Empörung über Unrecht könnte eine starke Triebkraft für gute Fotos sein.
 
Die folgenden Beispiele zeigen in einfacher Weise, was von mir gemeint ist: Jedes Foto hat - für sich alleine betrachtet - nur bedingt Aussagekraft; die Fotos gegenübergestellt und kombiniert führen dagegen schon ein deutliches Stück weiter:
 
Die unfeinen Unterschiede

Die unfeinen Unterschiede

 

Das sind zunächst nur einfache Gegenüberstellungen von arm und reich. Ziemlich unreflektiert. Fotogemeinschaft.de: Social - Die unfeinen Unterschiede soll auch nur ganz klein beginnen mit der fotografischen Gegenüberstellung sozialer Tatsachen. Vielleicht noch ein bißchen provokativ kommentiert. Nichts Großes - nur eben einfach mal drauf hinweisen, dass der eine Mensch in Deutschland sein Essen aus dem Müllcontainer klaubt und seine Kinder zur "Suppentafel" schicken muss, während der andere vor dem Problem steht, ob das echt goldene Interieur seiner Luxuskarosse vielleicht ein wenig zu protzig ausehen könnte... In diesem Zusammenhang ist auch unsere Hartz IV-Projektidee zu sehen.

Das (noch nicht veröffentlichte) Album 'criticism & satire' soll diesen Zweck erfüllen.

Das Demokratieverständnis einflußreicher Politiker und 'Wirtschaftsbosse' sollte in diesem Zusammenhang auch genauer betrachtet werden. Eine Rubrik 'statements' könnte aufschlussreiche Zitate dieser Persönlichkeiten herausgreifen und mit der Säure fotografischer Dokumentationen auf Echtheit überprüfen... Es geht auf dieser Website nämlich immer auch um Fotografie im Zusammenhang mit  Demokratie und Herrschaft; Gleichheit, gleiche Rechte für alle, Ungleichheit und ungerechte soziale Unterschiede und ihre Folgen; Aushöhlung der demokratischen Gesellschaft durch Politik und Wirtschaft. Christian Wulff ist nur ein allzu peinliches Beispiel für die deutsche Politik. Ein Beispiel unter vielen. Mit Adenauers Sentenz:

"Ich bin diktatorisch, nur mit stark demokratischem Einschlag."

 könnten wir anfangen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Die (noch nicht veröffentlichte) Rubrik 'projects' könnte zukunftsweisende sozial orientierte Fotografieprojekte oder Foto-Stories präsentieren, die auf einem hohen bzw. tiefgründigen Level sind. Hier kommt alles auf eine perfekte Kombination von Textstory und Fotos an. Beispiel für ein kleines Meisterwerk ist 'Dwellers of the magic car' von Felix Lupa.

2015-09-25T10:22:49+00:00Von |

2 Comments

  1. Sibylle Hofter18. Oktober 2017 um 23:19 Uhr

    vielleicht interessiert Dich das?
    http://www.agentur-schwimmer.de
    da gibt es nur serien zu gesellschaftlichen Themen, keine Straßenfotografie. ABer auch nicht das Spektakuläre: Drogen Krankheit Obdachlosigkeit. Ich werde misstrauisch, wenn das als das einzig Relevante angesehen wird. Es geht doch um die Augenhöhe auf allen Ebenen.

  2. Ralf Schlieper19. Oktober 2017 um 10:06 Uhr

    Hallo Sibylle,

    ich werde mir deine Agentur-Bilder anschauen. Hast du sie gemacht oder vermittelst du Fotografen? Mir persönlich geht es um künstlerische Fotoserien, die in der Lage sind durch ihre Text-Bild-Anordnung mehr zu zeigen als die bloßen 'facts'. Die reine Abbildung von Elend führt nie weiter, weil sie die Ursachen verdeckt. Daher müssen künstlerische Bildserien her, die mit - auch künstlerisch angeordneten - Texten die Ursachenzusammenhänge mit aufscheinen lassen. Selbst die reine künstlerische Elendsreproduktion ist hier nicht ausreichend, denn auch Kriegsbilder in S/W können einen 'ästhetischen Reiz' haben. Fotoserien sollten gleichzeitig auch zeigen, dass es Ursachen für die dargestellten Situationen gibt und es auch anders sein könnte.

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