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„Bürger: Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
wenn hinten, weit, in der Türkei,
die Völker aufeinanderschlagen.“ (Goethe, Faust)

Katastrophenbilder aus fernen Ländern werden sehr oft lanciert, um von eigenen Problemen im Land abzulenken bzw. eigene Interessen an einem von der Katastrophe heimgesuchten Land zu verdecken.

Die fotografische und thematische Vermarktung von Katastrophen ist zudem äußerst lukrativ für Medienkonzerne. Katastrophenbilder spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Presseauflagen steigen, das Fernsehen wird häufiger eingeschaltet, dubiose Spendenorganisationen freuen sich über neue Geldzuflüsse, Auslandstelefonate schnellen in die Höhe, Politiker können ihr Wohltäter-Image aufpolieren… Man hat wieder ein ‚unverfängliches‘ Thema, das nichts mit dem eigenen Land zu tun hat und bei vielen Menschen natürlich einen Mitleidsreflex auslöst.

Stichwort ‚Erdbeben in Haiti‘: Vielleicht wären stille Fotos von Seismographen, die lange vor der Katastrophe deutschen, amerikanischen und japanischen Wissenschaftlern bereits ein drohendes Erdbeben in Haiti anzeigten, für die Einschätzung unserer Gesellschaft aufschlussreicher, als die hektische Betriebsamkeit reicher Industrieländer, nachdem die Katastrophe in den ‚beobachteten‘ armen Ländern bereits eingetreten ist.

Fällt denn irgendwem auch mal auf, dass ein Erdbeben solchen Ausmaßes sich stets vorher ankündigt und es genügend Geologen gibt, die das auch bemerkt haben müssen? Warum aber ist nichts VORHER geschehen und in den Medien berichtet, ja gewarnt worden? Warum greifen die Medien der reichen Länder nicht VORHER ein und agieren etwas weitblickender?

Das ist deshalb so, weil arme Länder von reichen Ländern nur ‚beobachtet‘ und ausgenutzt werden – ihnen wird grundsätzlich nicht VOR einer Katastrophe geholfen: Arme Länder werden beobachtet wie ein gefährlicher Fremdkörper unter dem Aspekt, ob die eigens eingesetzte und finanzierte korrupte und oft diktatorische Regierung ’noch hält‘; sie werden ausgenutzt als Militärbasis oder billiger Rohstofflieferant. (vgl. speziell zum Thema Haiti die aufschlussreichen Artikel von Michel Chossudovsky: „The Militarization of Emergency Aid to Haiti: Is it a Humanitarian Operation or an Invasion?und „The Destabilization of Haiti: Anatomy of a Military Coup d’Etat„)

Reportage- und Katastrophenfotografie, die diese und weitere politische  Hintergründe nicht in der eigenen fotografischen Arbeit reflektiert und sich ohne Überlegung auf das zusammenhanglose Abbilden eingestürzter Häuser, wegtransportierter Leichen, schreiender und leidender Menschen fokussiert, ist WERTLOS, da sie lediglich die Umsätze des Medienbusiness erhöht, das die Katastrophe mal wieder schamlos ausnutzt.