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Wieder Thailand also. Erster Besuch im November 2005. Das Ziel war Karon Beach auf Phuket, verglichen mit dem nur wenige Kilometer entfernten Patong wohl eher ruhig. Ich wollte das so, hatte im TV Reportagen aus dem brodelnden Pattaya gesehen. Am Strand damals kaum ein Mensch. Einmal sah ich eine angeschwemmte Luftmatratze. Ein ungutes Gefühl – fast genau ein Jahr zuvor hatte auch hier der Tsunami Wassermassen auf den Strand geschleudert, zum Glück aber nur ein Opfer gefordert, der Mann war beim Sonnenbad eingeschlafen.

Wenige Tage nach meiner Ankunft wurde mit dem Lichterfest das Ende der Regenzeit begrüßt. Blumengeschmückte Schiffchen wurden auf einer kleinen Lagune ausgesetzt, erleuchtete Ampeln stiegen in den Himmel, für drei Tage waren gleich hinterm Strand Garküchen aufgebaut. Ein junger Mann, der wohl gern eine Frau sein wollte, wand sich in ekstatischen Bewegungen und bettelte um einen Drink. Wenige Schritte entfernt warteten farbenprächtig kostümierte Schönheiten auf ihren Auftritt bei einem lokalen Wettbewerb. Ich erfuhr von Machoallüren thailändischer Männer, die ihr Geld gern mal für eine Bardame ausgeben, der Ehefrau aber strenge Zurückhaltung vorschreiben. Ich sah Traurigkeit in den Gesichtern Betroffener. Nein, nicht bei den so vielen jungen Frauen, die in den scheinbar unendlich vielen Bars auch hier, am relativ beschaulichen Karon Beach, Unterhaltung anbieten, japanischen Männern zum Beispiel, die gern in Gruppen die Hocker am Tresen belegten und sich etwas verschüchtert umschauten. So wirkte es jedenfalls auf mich. Oder Briten, die schon mal auf den Tischen tanzten. Wichtigste Kundschaft seien aber, las ich später, junge Männer in den Zwanzigern. Vielleicht fallen die älteren Herren in den knielangen Shorts beim Händchenhalten eher auf …

Bei meinen Streifzügen riskierte ich im Vorbeigehen flüchtige Blicke in Hinterzimmer von Geschäften oder Bars und sah auch hier manches Mal ältere Herren. Sie wirkten erschöpft, dahindämmernd bei feuchter Hitze, während ihre Frauen vorn den Laden schmissen. Ich versuchte in diesen zwei Wochen den für mich so faszinierend fremden Alltag zu erfassen. (Serie „Tag und Nacht. Phuket, Karon Beach“). Und meinte, mich in einer fotocommunity über das Elend der Prostituierten auslassen zu müssen. Prompt attackierte mich ein Kenner der Szene. Er könne solches Gelaber nicht ertragen. Die Frauen kämen aus dem elend armen Norden Thailands, wo sie für eine Tasse Kaffe den Thai-Männern zu Diensten sein müssten, um über die Runden zu kommen. Ich halte mich also bei meinen Notizen über die Reise nach Ko Samui im März diesen Jahres mit solcher Analyse zurück. Und kann mich kurz fassen, weil die Fotos von „Tag und Nacht. Ko Samui“, so hoffe ich jedenfalls, für sich sprechen.

Ich hatte Glück mit meinem Domizil, dem Coral Cove Chalet (sehr ruhig, idyllisch, grün), so ziemlich genau in der Mitte zwischen Chaweng und Lamai Beach, beide mit dem preiswerten Sammeltaxi in nur wenigen Minuten zu erreichen. Ko Samui – die Trauminsel? Chaweng Beach wird im Reiseführer wegen seines feinen Sandes und der Palmen gepriesen. Die Postkartenbilder habe ich nicht entdeckt. Der Strand ist wirklich very busy, bevölkert vor allem von jeder Menge Möchtegerntarzans, aus Lautsprechern, sogar von Booten, wird der nächste ultimative Thaibox-Event angepriesen. Hinter den unzähligen Strandbars wechseln sich einfache Bungalows mit Fünf-Sterne-Hotels ab, die zwischen Parkanlagen und geschäftigem Treiben auf den Straßen Chawengs eingebettet sind. Für mich war dieses quirlige Treiben bei 37 Grad Celsius und den Abgasen aus Wespenschwärmen von Mopeds etwas zu hektisch (Reiseführer: „Mieten Sie sich doch ein Moped und erkunden Sie die Insel.“ Die Zahl der Unfälle habe aber stark zugenommen, Versicherung gibt es nicht. Nein danke also). Das beschaulichere Lamai wurde, nach Sonnenbad in der kleinen felsigen Hotelbucht, mein tägliches Fotoziel. Angenehme Vertrautheit stellte sich ein bei den Pirschgängen mit meiner Fujifilm Finepix F31. Alltagsbeobachtungen auf Ko Samui.