Video Teil 1
Video Teil 2
Wir nannten uns “FC Außenring”. Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Und doch waren wir, irgendwie, eine Mannschaft. Nicht immer vollständig beisammen, im Kern aber stabil. Wir kamen aus Potsdam, Wilhelmshorst, Kleinmachnow oder Stahnsdorf und hatten alle unseren Job in Berlin, waren also gezwungen (Wer konnte sich schon die tägliche Tour mit dem Auto in die DDR-Hauptstadt leisten?), den doppelstöckigen „Sputnik“ zu benutzen. Eine mühselige Sache, die auf den geregelten Arbeitstag von knapp neun Stunden vier Stunden Schienenfahrt draufpackte. Einer arbeitete im Bau- der andere im Kulturministerium, einer war Chefredakteur der DDR-Jagdzeitschrift, ein anderer Chefredakteur von „Garten und Kleintierzucht“. Einer erforschte die sozialistische Ökonomie, ein anderer repräsentierte die INTERFLUG im Ausland. Hans-Georg war der Mann aus dem Akademie Verlag, Ingo der Redakteur der „Neuen Berliner Illustrierten“, ich, nach dem Journalistikstudium in Leipzig, seit 1974 Redakteur der TV-Zeitschrift FF DABEI. Wir trafen uns im letzen Wagen, unten. Einer hatte immer was in der Tasche – Berliner Pils oder Nordhäuser Korn. Alle hatten was zu erzählen, meist kleine Frust-Geschichten. Das war unterhaltsam und tröstete. Auch über die elend lange Fahrerei außenherum.
Ein bisschen mehr Freude
Begegnungen in einem Pflegeheim
Ihr hohes Alter wunderte sie, ahnte Herta Schwant, als sie mir mit brüchiger, trockener Stimme ihr Leben erzählte, das nahe Ende? Ihre Brüder wären längst tot, und von den zehn Damen des Handarbeitskränzchens, alle etwa gleichen Jahrgangs, sei sie auch die Letzte. Wenige Tage nach unserem langen Gespräch schaute ich zu Herta herein, wollte ihr sagen, dass ich beim nächsten Besuch die Fotos mitbrächte. Die Tür stand offen. Sie lag da im engen Zimmer auf dem Bett, sehr müde, das eine, noch halbwegs gesunde Auge einen winzigen Spalt geöffnet. Es war ein „schönes“ Bild und ich drückte den Auslöser. Herta bemerkte mich, richtete sich mühsam auf. Es gehe ihr heute nicht gut, wir könnten uns aber trotzdem etwas unterhalten. “Machen wir morgen, Herta. Bis dahin gute Besserung!“ Wenige Stunden später war Herta Schwant tot.
„Sie wissen doch“, meinte die Schwester lakonisch am Telefon, „wer hier rauskommt, tut das mit den Füßen zuerst.“ Schlechtes Gewissen bleibt. Hätte ich an jenem Tag nicht doch ein bisschen schwätzen sollen mit Herta?
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