Jan 242010

Erinnerungen als Polizeireporter bei einer Berliner Boulevardzeitung

Zum Thema „Das Unvermögen von Katastrophenbildern“ ein persönlicher Erfahrungsbericht aus sechs Jahren freier Mitarbeit als Text- und Bildreporter für die Berliner Boulevardzeitung B.Z.. Ich war damals, 1992, nach dem aus Hamburg verordneten Tod der Frauenillustrierten Für Dich, bei der ich noch dreieinhalb produktive Jahre als Bildreporter erleben durfte, arbeitslos, suchte einen Job und fragte auch bei „Berlins größter Zeitung“ B.Z an. Die Lokalredaktion war interessiert an einem Reporter, der sich im Land Brandenburg auskannte. Eine Anfrage bei Bild war gescheitert, weil ich weder perfekt Russisch sprach noch einen Scanner besaß, mit dem Tag und Nacht der Polizeifunk nach schlagzeilenträchtigen Unfällen, Morden usw. abgehört werden konnte. Und doch ergaben sich in diesen sechs Jahren immer wieder persönliche Kontakte mit den Kollegen der Konkurrenz (einbezogen hier auch der Berliner Kurier als drittes Hauptstadt-Boulevardblatt) – beim Wettrennen zum Tat/Unglücksort. Wer zuerst dort ankam, hatte auch als erster die Chance, ein Foto des Opfers zu ergattern. Meist von Angehörigen, die oft noch unter Schock standen. War Bild schneller, gab es eine kleine Chance auf Milde – „Bild hinterlässt verbrannte Erde“, hieß es. Diese Reporter waren meist recht jung, kämpften auf dem Berliner Pressemarkt mit großem Ehrgeiz um einen Platz an der Krippe.

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