“I’m known for taking pictures very close, and the older I get, the closer I get.” Bruce Gilden
In letzter Zeit entstehen Unmengen ziemlich langweiliger ‘Streetfotos’, die ich mir wie folgt erkläre: Ein gutsituierter Angestellter flaniert in seiner Freizeit durch die Straßen und versucht sich als HBC. Er entdeckt Laternen, die malerisch über einsamen Menschen schweben – KLICK; Straßen die einen schönen Bogen machen – KLICK; Menschen, die gar lustige Schatten werfen – KLICK; Jugendliche, die sich mit ihren Skateboards in der Luft drehen – im Gegenlicht natürlich – KLICK; Straßenschilder, die witzig Verwirrung stiften – KLICK; grüne Büsche vor roten Sportwagen – KLICK; etc. etc.
Video Teil 1
Video Teil 2
Wir nannten uns “FC Außenring”. Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Und doch waren wir, irgendwie, eine Mannschaft. Nicht immer vollständig beisammen, im Kern aber stabil. Wir kamen aus Potsdam, Wilhelmshorst, Kleinmachnow oder Stahnsdorf und hatten alle unseren Job in Berlin, waren also gezwungen (Wer konnte sich schon die tägliche Tour mit dem Auto in die DDR-Hauptstadt leisten?), den doppelstöckigen „Sputnik“ zu benutzen. Eine mühselige Sache, die auf den geregelten Arbeitstag von knapp neun Stunden vier Stunden Schienenfahrt draufpackte. Einer arbeitete im Bau- der andere im Kulturministerium, einer war Chefredakteur der DDR-Jagdzeitschrift, ein anderer Chefredakteur von „Garten und Kleintierzucht“. Einer erforschte die sozialistische Ökonomie, ein anderer repräsentierte die INTERFLUG im Ausland. Hans-Georg war der Mann aus dem Akademie Verlag, Ingo der Redakteur der „Neuen Berliner Illustrierten“, ich, nach dem Journalistikstudium in Leipzig, seit 1974 Redakteur der TV-Zeitschrift FF DABEI. Wir trafen uns im letzen Wagen, unten. Einer hatte immer was in der Tasche – Berliner Pils oder Nordhäuser Korn. Alle hatten was zu erzählen, meist kleine Frust-Geschichten. Das war unterhaltsam und tröstete. Auch über die elend lange Fahrerei außenherum.
